Kurz und in eigenen Worten erklärte Fachbegriffe aus Explosionsschutz und Verfahrenstechnik. Jeder Begriff ist direkt verlinkbar und verweist auf die passenden Rechner, Tabellen und Datenbanken.

Arbeitsplatzgrenzwert AGW / MAK

Zulässige Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz, bei der im Allgemeinen keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist. Wird als Volumenanteil (ppm) oder Massenkonzentration (mg/m³) angegeben.

Siehe auch: Rechner: ppm ↔ mg/m³

Ausbreitungs-/Stabilitätsklasse

Kennzahl für die turbulente Durchmischung der Atmosphäre (international Pasquill A–F, in Österreich sieben Klassen nach ÖNORM M 9440). Labile Schichtung verdünnt eine Abgasfahne rasch, stabile Schichtung führt zu höheren bodennahen Konzentrationen.

Siehe auch: Wiki: Ausbreitungsberechnung

Emission und Immission

Emission ist der Austritt von Stoffen/Lärm aus einer Quelle; Immission ist deren Einwirkung an einem entfernten Ort (z. B. Nachbarschaft). Die Ausbreitungsrechnung verbindet beide.

Siehe auch: Leistung: Ausbreitungsberechnung

Ex-Zone

Einteilung eines Bereichs danach, wie häufig und wie lange eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre auftritt — Zonen 0/1/2 für Gase/Dämpfe, 20/21/22 für Stäube. Die Zone bestimmt die zulässige Gerätekategorie.

Siehe auch: Tabelle: Ex-Zonen

Explosionsbereich

Konzentrationsbereich zwischen unterer und oberer Explosionsgrenze, in dem ein Gemisch aus brennbarem Stoff und Luft explosionsfähig ist.

Siehe auch: UEG-Rechner OEG-Rechner

Explosionsfähige Atmosphäre

Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben unter atmosphärischen Bedingungen, in dem sich eine Verbrennung nach dem Zünden auf das gesamte unverbrannte Gemisch ausbreitet.

Siehe auch: Tabelle: Ex-Zonen

Explosionsgruppe

Einteilung brennbarer Gase und Dämpfe (IIA, IIB, IIC) nach ihrer Zünddurchschlagfähigkeit (Grenzspaltweite). Sie bestimmt mit, welche „druckfest gekapselten" Geräte in einem Bereich zulässig sind. Die verbindlichen Grenzwerte stehen in den einschlägigen Normen.

Explosionsschutzdokument

Vom Arbeitgeber zu erstellendes Dokument, das die Explosionsgefährdungen eines Betriebs beurteilt, die Bereiche in Zonen einteilt und die getroffenen Schutzmaßnahmen festhält.

Siehe auch: Leistung: Explosionsschutz

Flammpunkt

Niedrigste Temperatur, bei der eine brennbare Flüssigkeit unter definierten Bedingungen so viel Dampf abgibt, dass sich über ihr ein durch eine Zündquelle entzündbares Dampf-Luft-Gemisch bildet.

Siehe auch: Stoffdatenbank

Freisetzungscharakteristik Q_c

Volumetrische Kenngröße einer Freisetzung nach EN IEC 60079-10-1: die Freisetzungsrate bezogen auf Dampfdichte und untere Explosionsgrenze. Aus ihr folgen sowohl der Verdünnungsgrad als auch die Zonenausdehnung. Sie wird ohne den mit Ed. 3 gestrichenen Sicherheitsfaktor k gebildet.

Siehe auch: Wiki: Zonenausdehnung abschätzen Ex-Zonen-Rechner

Freisetzungsgrad

Einstufung einer Freisetzungsquelle nach Häufigkeit und Dauer der Freisetzung im Normalbetrieb: ständig (dauernd/über lange Zeiträume), primär (periodisch/gelegentlich zu erwarten) oder sekundär (im Normalbetrieb nicht zu erwarten). Er geht zusammen mit Verdünnungsgrad und Verfügbarkeit in den Zonentyp ein.

Siehe auch: Wiki: Freisetzungsquellen und Freisetzungsrate Ex-Zonen-Rechner

GHS / CLP-Kennzeichnung

Global harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien, in der EU umgesetzt durch die CLP-Verordnung — mit Gefahrenpiktogrammen, Signalwörtern sowie H- und P-Sätzen.

Siehe auch: Tabelle: GHS-Kennzeichnung

Grenzspaltweite MESG

Kennzahl dafür, wie leicht eine Explosion durch einen engen Spalt nach außen durchschlagen kann. Sie ist die Grundlage der Einteilung brennbarer Gase in Explosionsgruppen.

HAZOP / PAAG

Strukturierte Methode der Gefährdungsanalyse: Mit Leitworten („mehr", „weniger", „kein" …) werden Abweichungen vom bestimmungsgemäßen Betrieb je Anlagenteil systematisch durchdacht (PAAG: Prognose – Auffinden der Ursache – Abschätzen der Folgen – Gegenmaßnahmen).

Siehe auch: Wiki: Prozesssicherheit

Hintergrundkonzentration X_b

Anteil brennbaren Gases oder Dampfes, der sich im Normalbetrieb in der Grundluft eines Raums anreichert. Überschreitet sie ein Viertel der unteren Explosionsgrenze, gilt der Verdünnungsgrad als gering. Aus ihr lässt sich der erforderliche Frischluftvolumenstrom bestimmen.

Siehe auch: Wiki: Verdünnung und Verfügbarkeit der Lüftung Ex-Zonen-Rechner

Inertisierung

Verdrängen von Sauerstoff durch ein inertes Gas (z. B. Stickstoff oder Kohlendioxid), sodass der Sauerstoffanteil unter die Sauerstoffgrenzkonzentration sinkt und keine Explosion mehr möglich ist.

Siehe auch: SGK-Rechner

Mindestzündenergie MZE

Kleinste Funkenenergie, die ein zündwilligstes Brennstoff-Luft-Gemisch gerade noch entzündet. Je kleiner die MZE, desto leichter zündbar der Stoff — wichtig etwa für die Bewertung elektrostatischer Zündgefahren.

Siehe auch: Wiki: Grundzüge des Explosionsschutzes

Mischungsregel nach Le Chatelier

Näherungsformel, mit der sich die Explosionsgrenze eines Gemischs aus mehreren brennbaren Komponenten aus deren Einzel-Explosionsgrenzen und Anteilen berechnen lässt.

Siehe auch: Gemisch-Rechner

Obere Explosionsgrenze OEG

Größter Anteil eines brennbaren Gases oder Dampfes in Luft, bei dem noch eine Explosion möglich ist. Oberhalb der OEG ist das Gemisch zu „fett" (zu wenig Sauerstoff).

Siehe auch: OEG-Rechner

ppm (Volumenanteil)

Millionstel-Anteil — bei Gasen üblicherweise als Volumenanteil (ein Volumenteil Stoff je Million Volumenteile Luft). Über die Molmasse in eine Massenkonzentration (mg/m³) umrechenbar.

Siehe auch: Rechner: ppm ↔ mg/m³

Sauerstoffgrenzkonzentration SGK

Höchster Sauerstoffanteil, bei dem eine Explosion gerade noch nicht möglich ist. Wird der Sauerstoff darunter gehalten (Inertisierung), kann kein explosionsfähiges Gemisch entstehen.

Siehe auch: SGK-Rechner

Seveso-Betrieb

Betrieb, in dem gefährliche Stoffe in Mengen ab bestimmten Schwellen vorhanden sein können und der daher den Seveso-Regelungen unterliegt — je nach Menge als Betrieb der unteren oder oberen Klasse mit gestaffelten Pflichten (Konzept, Sicherheitsbericht, Notfallpläne).

Siehe auch: Wiki: Seveso

Sicherheitsintegritätslevel SIL

Maß (SIL 1–4) für die geforderte Zuverlässigkeit einer sicherheitsgerichteten Funktion (z. B. einer automatischen Abschaltung). Grundlage ist die funktionale Sicherheit nach IEC 61508/61511; wesentlich ist die wiederkehrende Prüfung (Proof-Test).

Siehe auch: Wiki: Prozesssicherheit

Staubexplosionsklasse (St)

Einteilung brennbarer Stäube nach dem K_St-Wert (auf 1 m³ normierte maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit): St 1 (K_St ≤ 200), St 2 (200–300), St 3 (> 300 bar·m/s). Sie kennzeichnet die Heftigkeit einer Staubexplosion.

Siehe auch: Wiki: Grundzüge des Explosionsschutzes

Temperaturklasse

Einteilung (T1 bis T6) nach der maximalen Oberflächentemperatur, die ein Gerät haben darf, damit es das umgebende Gas-Luft-Gemisch nicht zündet. Die konkreten Temperaturgrenzen sind in den einschlägigen Normen festgelegt.

Untere Explosionsgrenze UEG

Kleinster Anteil eines brennbaren Gases oder Dampfes in Luft, bei dem sich ein Gemisch gerade noch entzünden und eine Explosion fortpflanzen kann. Unterhalb der UEG ist das Gemisch zu „mager" zum Zünden.

Siehe auch: UEG-Rechner Stoffdatenbank

Verdünnungsgrad

Maß dafür, wie wirksam die Lüftung eine austretende Fahne verdünnt — Stufen stark, mittel oder gering nach EN IEC 60079-10-1. Er folgt aus der Freisetzungscharakteristik und der Lüftungsgeschwindigkeit, überlagert von Textregeln (z. B. tritt geringe Verdünnung im Freien in der Regel nicht auf).

Siehe auch: Wiki: Verdünnung und Verfügbarkeit der Lüftung Ex-Zonen-Rechner

Verfügbarkeit der Lüftung

Einstufung, wie zuverlässig eine Lüftung tatsächlich wirkt: gut (praktisch ständig vorhanden), ausreichend (im Normalbetrieb vorhanden, seltene kurze Unterbrechungen) oder gering. Natürlich belüftete geschlossene Räume gelten üblicherweise nicht als „gut".

Siehe auch: Wiki: Verdünnung und Verfügbarkeit der Lüftung

Zone vernachlässigbarer Ausdehnung NE

Eine so kleine explosionsgefährdete Zone, dass sie für die Zoneneinteilung praktisch als nicht gefährdet behandelt werden kann. Bei starker Verdünnung besteht an der Freisetzungsquelle zusätzlich eine solche NE-Zone entsprechend dem Freisetzungsgrad; die Ausdehnungskurven (Bild D.1) sind auf NE-Zonen nicht anwendbar.

Siehe auch: Wiki: Zonenausdehnung abschätzen

Zündschutzart

Genormtes Schutzprinzip, das verhindert, dass ein elektrisches Betriebsmittel eine explosionsfähige Atmosphäre zündet — z. B. druckfeste Kapselung (d), erhöhte Sicherheit (e), Eigensicherheit (i) oder Überdruckkapselung (p). Die zulässige Zündschutzart hängt von der Ex-Zone ab.

Siehe auch: Wiki: Grundzüge des Explosionsschutzes

Zündtemperatur

Niedrigste Temperatur einer heißen Oberfläche, an der sich ein Gas- oder Dampf-Luft-Gemisch von selbst entzündet — ohne Fremdzündquelle. Nicht zu verwechseln mit dem Flammpunkt.

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