Am Anfang jeder Zoneneinteilung steht die Frage: Wo kann brennbarer Stoff austreten, wie oft, und wie viel? Die Antwort liefert die Freisetzungsquelle — und sie bestimmt fast alles, was danach folgt. Dieser Artikel ordnet die Freisetzungsgrade ein und zeigt, wie aus einer Quelle eine Freisetzungsrate wird. Die quantitative Umsetzung übernimmt der Ex-Zonen-Rechner.

Freisetzungsgrad: wie oft tritt Stoff aus?

Die EN IEC 60079-10-1 unterscheidet drei Freisetzungsgrade nach der Häufigkeit und Dauer der Freisetzung im Normalbetrieb:

Der Freisetzungsgrad ist das Ergebnis der Anlagenbetrachtung, keine Rechengröße. Er geht direkt in die Zonentyp-Zuordnung ein: grob folgt aus einer ständigen Quelle eher Zone 0, aus einer primären eher Zone 1, aus einer sekundären eher Zone 2 — die konkrete Zuordnung hängt aber zusätzlich vom Verdünnungsgrad und der Verfügbarkeit der Lüftung ab.

Der Lochquerschnitt dominiert das Ergebnis

Bei einer sekundären Freisetzung — dem häufigsten Fall in der Praxis — gibt es keine reale, sichtbare Öffnung. Man nimmt einen Leckquerschnitt an. Die Norm nennt dafür Anhaltswerte (Tabelle B.1). Diese Annahme ist die folgenreichste Entscheidung der ganzen Rechnung: Die Freisetzungsrate steigt etwa linear mit dem Querschnitt, und über die Freisetzungscharakteristik Q_c schlägt das bis in die Zonenausdehnung durch. Wer den Querschnitt verdoppelt, verdoppelt die Quellstärke. Deshalb belegt der Ex-Zonen-Rechner dieses Feld bewusst nicht vor — es ist eine ingenieurmäßige Festlegung, keine Zahl, die man gedankenlos übernehmen darf.

Drei Wege zur Freisetzungsrate

Je nach Art der Quelle wird die Freisetzungsrate unterschiedlich abgeschätzt:

  1. Gas-/Dampfausströmung durch eine Öffnung. Aus dem Systemdruck ergibt sich eine kritische (schallschnelle) Strömung, sobald der Druck das kritische Druckverhältnis überschreitet, sonst eine unterkritische. Der Freisetzungs-/Lüftungsrechner bildet beide Fälle ab. Eingang sind Ausströmbeiwert C_d (0,99 für regelmäßige, 0,75 für unregelmäßige Öffnungen), Querschnitt, Drücke, molare Masse, Isentropenexponent und Realgasfaktor.
  2. Flüssigkeitsaustritt. Der Massenstrom folgt aus dem treibenden Druckunterschied über der Öffnung — Betriebsüberdruck plus hydrostatischer Anteil bei einer Leckage unter dem Flüssigkeitsspiegel. Wichtig: Die Norm gibt bewusst keine Methode an, aus dieser Flüssigkeitsrate die Dampfquellstärke zu bestimmen. Man rechnet also nicht einfach weiter — der abgedeckte Sonderfall ist die verdunstende Lache.
  3. Verdunstende Lache. Aus Lachenfläche, Dampfdruck, Windgeschwindigkeit und molarer Masse folgt die Verdunstungsrate (Gl. B.6). Diese Gleichung geht laut Norm auf ein Modell der US-Umweltbehörde EPA zurück und ist bewusst konservativ. Sie gilt nur in Grenzen: nicht bei zu geringer Windgeschwindigkeit, nicht bei zu hohem Dampfdruck und nicht nahe dem Siedepunkt — der Rechner prüft das und blockiert außerhalb des Gültigkeitsbereichs.

Weiter im Rechner

Der Ex-Zonen-Rechner führt aus der Freisetzungsrate die Freisetzungscharakteristik Q_c und daraus Verdünnungsgrad, Zonentyp und Zonenausdehnung. Welche Stoffkennwerte er dafür braucht, steht unter Stoffkennwerte für Ex-Berechnungen.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine Beurteilung im Einzelfall; verbindlich sind die jeweils geltenden Rechts- und Regelwerke in ihrer aktuellen Fassung.

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