Eine Explosion entsteht nur, wenn eine explosionsfähige Atmosphäre auf eine wirksame Zündquelle trifft. Lässt sich die Atmosphäre nicht sicher vermeiden, rückt daher die Zündquellenvermeidung in den Mittelpunkt — die zweite Stufe im Schutzkonzept. Grundlage für die systematische Bewertung ist die Norm EN 1127-1, die 13 Kategorien wirksamer Zündquellen unterscheidet.
Eine Zündquelle ist erst dann relevant, wenn sie in der betrachteten Ex-Zone tatsächlich auftreten kann und genügend Energie besitzt, um das jeweilige Gemisch zu entzünden — Maßstab ist die Mindestzündenergie des Stoffs. Je nach Zone werden Zündquellen unterschieden, die im Normalbetrieb, bei üblichen Störungen oder nur bei seltenen Störungen auftreten.
Die 13 Kategorien wirksamer Zündquellen
- Heiße Oberflächen — Bauteile, deren Temperatur die Zündtemperatur des Stoffs erreicht (z. B. Heizungen, Lager, Bremsen, spanende Bearbeitung).
- Flammen und heiße Gase — offene Flammen, Schweiß-/Schneidarbeiten, heiße Reaktions- oder Abgase, auch glimmende Partikel.
- Mechanisch erzeugte Funken — Reib-, Schlag- und Schleiffunken, etwa durch eindringende Fremdkörper oder anlaufende Bauteile.
- Elektrische Anlagen — Schaltfunken, Lichtbögen und heiße Stellen an elektrischen Betriebsmitteln; hier greifen die Zündschutzarten der Geräte.
- Elektrische Ausgleichsströme, kathodischer Korrosionsschutz — Streu- und Rückströme, die an Trennstellen Funken oder Erwärmung verursachen.
- Statische Elektrizität — Entladung aufgeladener Personen, Behälter oder Schüttgüter; besonders relevant beim Umfüllen und bei nichtleitenden Materialien.
- Blitzschlag — direkter Einschlag oder eingekoppelte Überspannungen (Schutz nach der EN-62305-Reihe).
- Elektromagnetische Felder (9 kHz–300 GHz) — Hochfrequenzenergie, die in leitfähigen Teilen als Antenne wirksam wird und dort Funken oder Erwärmung auslöst; z. B. aus Sende- und Funkanlagen, Radar, HF-Schweiß- und -Trocknungsanlagen oder Induktionserwärmern.
- Elektromagnetische Strahlung (300 GHz–3·10⁶ GHz, optisch) — gebündeltes Licht bzw. Laserstrahlung, die Oberflächen oder Partikel aufheizt; z. B. Schneid-, Justier- oder Vermessungslaser, gebündeltes Sonnenlicht (Brennglaseffekt) oder starke Scheinwerfer/Strahler.
- Ionisierende Strahlung — Energieeintrag durch Strahlungsquellen, der Stoffe erwärmen oder zersetzen kann.
- Ultraschall — Absorption von Schallenergie mit lokaler Erwärmung.
- Adiabatische Kompression und Stoßwellen — schnelle Verdichtung erhitzt das Gas stark (z. B. in Kompressoren, bei Druckstößen).
- Exotherme Reaktionen — Selbsterhitzung bis zur Selbstentzündung, einschließlich Glimmnester in Staubablagerungen.
Bewertung und Vermeidung in der Praxis
Für jede Zone werden die Kategorien einzeln durchgegangen: Kann die Zündquelle dort auftreten? In welchem Betriebszustand (normal, gestört, selten)? Reicht ihre Energie zur Zündung? Aus dieser Bewertung folgen die Maßnahmen — etwa Temperaturbegrenzung, Erdung und Potenzialausgleich, geeignete Gerätekategorie und Zündschutzart, leitfähige Materialien oder die Begrenzung mechanischer Energie. Das Ergebnis dieser Betrachtung ist Teil des Explosionsschutzdokuments.
Die konkrete Zündquellenbewertung für eine Anlage nehmen wir im Einzelfall vor — mehr dazu auf unserer Seite Explosionsschutz.