Der Rechner schätzt die Bestrahlungsstärke einer Brandquelle nach dem Punktquellenmodell ab: Ein fester Anteil der Verbrennungsleistung wird als Wärmestrahlung abgegeben und verteilt sich über die Kugelfläche um die Quelle. Formel, Annahmen, Grenzen und Schwellenwerte sind unter dem Rechner dokumentiert.

Wärmestrahlungs-Rechner

Schätzt die Bestrahlungsstärke E (in kW/m²) in einem Abstand r von einer Brandquelle nach dem Punktquellenmodell ab. Die Verbrennungsleistung kann direkt eingegeben oder aus Massenabbrandrate und Verbrennungsenthalpie berechnet werden.

Eingabe der Verbrennungsleistung
1 MW = 1000 kW
radiative fraction, typ. 0,15–0,35

Verbrennungsleistung Q̇:

Bestrahlungsstärke E:

Formel: E = f · Q̇ / (4π · r²) mit Q̇ = ṁ · ΔHc. Punktquellenmodell, keine Atmosphärendämpfung; Fernfeld (r ≫ Flammenlänge).

Hinweis: Das Ergebnis dient der ersten Orientierung und ersetzt keine sicherheitstechnische Beurteilung im Einzelfall; es ist kein Gutachten. Für verbindliche Aussagen sind die konkreten Stoff- und Betriebsdaten sowie die einschlägigen Regelwerke heranzuziehen.

Dokumentation & fachlicher Hintergrund

1.  Modell & Formel

Das Punktquellenmodell (point source model) nimmt an, dass ein fester Bruchteil f der freigesetzten Verbrennungsleistung Q̇ als Wärmestrahlung von einem einzigen Punkt isotrop (in alle Richtungen gleich) abgestrahlt wird. Die Bestrahlungsstärke E in der Entfernung r folgt dann dem Abstandsquadratgesetz:

E = (f · Q̇) / (4π · r²)

Die Verbrennungsleistung ergibt sich aus Massenabbrandrate und Verbrennungsenthalpie:

Q̇ = ṁ · ΔHc

Einheiten dieses Rechners: ṁ in kg/s, ΔHc in kJ/kg ergibt Q̇ in kW; mit r in m folgt E in kW/m².

2.  Parameter — jede Eingabegröße erklärt
Verbrennungsleistung Q̇ (kW)
Wärmefreisetzungsrate des Brandes. Wahlweise direkt eingeben oder aus ṁ und ΔHc berechnen lassen.
Massenabbrandrate ṁ (kg/s)
Pro Sekunde verbrennende Stoffmasse — bei Lachenbränden aus Abbrandgeschwindigkeit und Lachenfläche.
Verbrennungsenthalpie ΔHc (kJ/kg)
Freigesetzte Wärme je kg Brennstoff (unterer Heizwert). Typische Kohlenwasserstoffe liegen bei rund 40 000–46 000 kJ/kg.
Strahlungsanteil f (–)
Anteil der Verbrennungsleistung, der als Strahlung abgegeben wird (radiative fraction). Je nach Brennstoff und Brandgröße typisch 0,15–0,35; Default 0,30. Größere, rußende Brände strahlen relativ weniger (Selbstabschirmung durch Ruß).
Abstand r (m)
Abstand vom (angenommenen) Strahlungspunkt zum betrachteten Ort.

Dezimaltrennung wahlweise mit Punkt oder Komma.

3.  Einordnung: gängige Schwellenwerte (Orientierung)

Beurteilungswert Raumordnung (Österreich): Der Bundesländer-Arbeitskreis Seveso legt in BLAK-1 (März 2015) 3,0 kW/m² als Beurteilungswert der Wärmestrahlung für Dauereinwirkung fest, für kurzzeitige Einwirkung 500 TDU (TDU = (kW/m²)4/3·s, bis 60 s). International werden 1,6–5 kW/m² angegeben. Den zugehörigen Abstand liefert der Sicherheitsabstand-Rechner.

Die folgenden Werte sind ergänzende Orientierungswerte; die Wirkung hängt zusätzlich von Expositionsdauer, Bekleidung und Abschirmung ab (keine rechtsverbindlichen Grenzwerte):

BestrahlungsstärkeOrientierende WirkungQuelle
1,5 kW/m²auch bei längerer Exposition keine nachteiligen AuswirkungenKanton Zürich 1992 (in BLAK-1, Tab. 4)
3,0 kW/m²Beurteilungswert Raumordnung AT (Dauereinwirkung)BLAK-1 (2015), Kap. 2.3.2
4,5 kW/m²Blasenbildung nach 20 sKanton Zürich 1992 (in BLAK-1, Tab. 4)
12,5 kW/m²Verbrennungen 1. Grades nach 10 s; Bersten von Glas nach 10 minKanton Zürich 1992 (in BLAK-1, Tab. 4)
36 kW/m²Verbrennungen 3. Grades nach 10 s; Verformung von StahlprofilenKanton Zürich 1992 (in BLAK-1, Tab. 4)
4.  Annahmen & Grenzen
  • Punktquelle: Die gesamte Strahlung geht von einem Punkt aus. Das ist nur im Fernfeld eine gute Näherung — als Faustregel bei Abständen größer als etwa das Doppelte der Flammenlänge. Im Nahbereich unterschätzt das Modell die Bestrahlungsstärke; dort ist ein Flächenstrahler-/Festkörper­winkel- Modell (solid flame model) genauer.
  • Keine Atmosphärendämpfung: Absorption durch Wasserdampf und CO₂ der Luft (Transmissionsgrad < 1) wird nicht berücksichtigt; der Rechner liegt dadurch auf der sicheren Seite (rechnet eher zu hohe Werte).
  • Isotrope Abstrahlung: gleiche Strahlung in alle Richtungen; Windneigung der Flamme und Sichtfaktor-Effekte bleiben unberücksichtigt.
  • Konstanter Strahlungsanteil f: f ist in Wirklichkeit brand- und stoffabhängig; die Wahl von f beeinflusst das Ergebnis linear.
5.  Rechenbeispiel

Aufgabe: Bestrahlungsstärke in 20 m Abstand von einem Brand mit Q̇ = 10 MW und f = 0,30.

E = (0,30 · 10 000 kW) / (4π · 20² m²)

E = 3000 / 5026,5 = 0,597 kW/m²

Das liegt unter 1,6 kW/m² — in dieser Entfernung ist die Strahlung nach den Orientierungswerten für ungeschützte Personen bei begrenzter Aufenthaltsdauer unkritisch.

6.  Quellen & Stand

Punktquellenmodell der thermischen Strahlung: TNO, Methods for the calculation of physical effects (Green/Yellow Book), Kap. „Heat radiation"; CCPS, Guidelines for Evaluating the Characteristics of Vapor Cloud Explosions, Flash Fires and BLEVEs. Strahlungsanteil f (radiative fraction) nach gängigen Angaben der Brandschutz-/Störfall- Literatur.
Beurteilungswert 3,0 kW/m² / 500 TDU und die Referenz-Wirkungswerte (Tab. 4, Quelle Kanton Zürich 1992): Österreichischer Bundesländer-Arbeitskreis Seveso, Empfehlung Nr. 1 „Angemessene Sicherheitsabstände" (BLAK-1), März 2015.

Stand: 2026-07.

Interessiert an einer Zusammenarbeit?

Let’s talk.

Kontakt aufnehmen